Wolfgang Flatz hat es sich und anderen nie leicht gemacht. Der Künstler ließ sich wie ein Glockenschwengel kopfüber und nackt so lange zwischen zwei Stahlplatten hin und her schlagen, bis er bewusstlos war. Er ließ Dartpfeile auf sich werfen, bis er blutete, und zuletzt, in der Pinakothek der Moderne, seine Haut zur Versteigerung anbieten. Dass in diesem Mann ein Schmerz wohnt, der nach außen drängt, ist sein Leben, seine Kunst.

Wie viel das mit seiner Kindheit zu tun hat, weiß jeder, der Flatz schon einmal über seinen Vater hat erzählen hören. Wie der ihn immer wieder mit dem Kochlöffel grün und blau schlug. Bis der junge Wolfgang dem Herrn Vater eines Tages, als dieser ihn wieder einmal in die Küche geschickt hatte, um selbst sein Marterinstrument zu holen, statt des Holzlöffels etwas anderes brachte: ein Messer. Der Vater nahm es, aber er schlug nie wieder zu.

Bald fünf Jahrzehnte später, an diesem sonnengeküssten Abend in der Münchner Residenz der Österreichischen Generalkonsulin in Bogenhausen, erhält Wolfgang Flatz einen Orden: das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, die höchste Auszeichnung, die sein Vaterland zu vergeben hat, „an Personen, die sich durch besonders hochstehende schöpferische Leistungen allgemeine Anerkennung und einen hervorragenden Namen erworben haben“. So steht es in den Regularien.