Am Montag bekam Ekrem İmamoğlu nach längerer Zeit mal wieder Applaus. Da brachten ihn die Wärter in den Gerichtssaal des Gefängnisses, in dem ihn der türkische Staat seit drei Monaten gefangen hält. Ihn, den gewählten Oberbürgermeister von Istanbul, den Präsidentschaftskandidaten, den Herausforderer von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Ein Handyvideo zeigt den Moment, als İmamoğlu in den Saal kommt, zu den jubelnden Zuschauern, unter ihnen seine Frau Dilek. Sie küsst ihre Hand und streckt sie ihm entgegen, als er an ihr vorbeigeht.
Danach begann die Anhörung, eine von vielen in den mehreren Verfahren, die gleichzeitig gegen İmamoğlu laufen. Am Montag ging es darum, dass er Anfang des Jahres den Generalstaatsanwalt von Istanbul bedroht haben soll. Es ist einer der Vorwürfe, die in jenen Wochen aufkamen, als İmamoğlu sich für die Präsidentschaftskandidatur bereit machte. In den Wochen vor dem 19. März, als ihn am frühen Morgen die Polizei abholte.
Die Opposition eint ein neuer Kampfgeist
In der Rede, die İmamoğlu jetzt vor Gericht hielt, klang er, als hätte er vor einer Menschenmenge gesprochen, nicht vor einem Richter. „Werde ich hier angeklagt?“, fragte er. „Nein, ich bin hier, weil ich ein Kandidat bin.“







