PfadnavigationHomeGeschichteGewaltsame ProtesteBrennpunkt LA – Schon oft erschütterten Krawalle die WestküstenmetropoleVeröffentlicht am 18.06.2025Lesedauer: 5 MinutenStraßenszene in Los Angeles während der Rodney King Riots 1992Quelle: picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Nick UtIn mehreren US-Städten gibt es heftige Proteste gegen Donald Trumps Einwanderungspolitik. Ein Brennpunkt gewaltsamer Unruhen ist Los Angeles – beileibe nicht zum ersten Mal. Ein Überblick, von den „Zoot Suit Riots“ 1943 bis zu den „George Floyd Protests“ 2020.Dutzende US-Marines stehen vor einer Einwanderungsbehörde in Los Angeles Hunderten von Demonstranten gegenüber. Die Menge ruft im Chor, sie sollten nach Hause gehen. Etliche Demonstranten schleudern Beleidigungen gegen die Marines, die zunächst nicht reagierten. Die Anspannung steigt.Derartige Szenen spielen sich aktuell beinahe täglich ab, und oft eskalieren sie gewaltsam. Landesweit gehen in den USA Tausende auf die Straße, um gegen Donald Trumps Migrationspolitik zu demonstrieren. Dennoch weicht der US-Präsident nicht von seinem Kurs ab. Massenabschiebungen waren ein zentrales Wahlkampfversprechen Trumps. Razzien und Festnahmen werden seit seinem Amtsantritt öffentlichkeitswirksam inszeniert: mit Pressemitteilungen, Fotos der Betroffenen und regelmäßigen Updates über den Vollzug. Auch verteidigt Trump die Entsendung der Marines und argumentiert, Los Angeles wäre niedergebrannt, wenn er nicht schnell gehandelt hätte. Die Entsendung löst eine Debatte über den Einsatz des Militärs auf US-Boden aus.Ein Dorn im Auge sind Trump bei seinem harten Kurs sogenannte Sanctuary Cities – also Städte, die sich teils mehr, teils weniger vehement weigern, bei Abschiebungen zu kooperieren. Dazu zählen New York, Chicago – und vor allem Los Angeles.Lesen Sie auchDort kommt es beileibe nicht zum ersten Mal zu tagelangen Krawallen. Proteste gegen Rassendiskriminierung und soziale Ungerechtigkeit mündeten in den vergangenen Jahrzehnten dort wiederholt in Ausschreitungen. Ein Überblick: 1943: Zoot Suit RiotsIm Sommer 1943 ereignete sich in Los Angeles sowie in weiteren US-Städten eine Serie von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Soldaten und jungen Latinos und Einwohnern mexikanischer Abstammung, die von den Soldaten angegriffen wurden, weil sie „Zoot Suits“ trugen. Dabei handelte es sich um damals modische Anzüge mit stark wattierten Schultern, langem Jackett und einem Fedora-Hut mit breiter Krempe und Feder. Der extravagante Stil stammt aus der Jazz-Kultur, Latinos und Mexiko-Amerikaner trugen ihn als Zeichen ihrer kulturellen Identität.Manch Angehörige der Streitkräfte prangerten das Tragen von Zoot Suits als unpatriotisch in Zeiten der Rohstoffrationierung während des Zweiten Weltkriegs an, da zur Herstellung dieser Monturen zu viel Stoff verwendet werde. Rassistische Motive kamen hinzu. Es gab Gewalt und Gegengewalt, mal griff die eine Seite an, mal die andere. Die Polizei schlug sich oft auf die Seite der Soldaten. Um die Lage zu deeskalieren, wurde in Los Angeles am 8. Juni 1943 angeordnet, dass Angehörige der Streitkräfte in ihren Unterkünften zu verbleiben hätten.Lesen Sie auchFirst Lady Eleanor Roosevelt schrieb am 16. Juni in ihrer Zeitungskolumne: „Diese Frage dreht sich nicht nur um Anzüge, sie geht tiefer. Es ist ein Rassenprotest. Ich mache mir bereits seit langer Zeit Sorgen um die Situation Mexikanisch-Stämmiger. Es ist ein Problem, dessen Wurzeln lange Zeit zurückreichen, und wir behandeln diese Probleme nicht immer so, wie wir sollten.“ 1965: The Watts RiotsDie Unruhen in dem Schwarzenviertel Watts dauerten vom 11. bis zum 16. August 1965. Sie begannen damit, dass ein junger schwarzer Mann von der Polizei in einer Kontrolle angehalten wurde und einen Alkoholtest machen sollte. Als dieser zuungunsten von Marquette Frye ausging, wurde er verhaftet und das Auto beschlagnahmt. Lesen Sie auchDabei wehrte er sich gegen die Festnahme und wurde von Beamten mit einem Schlagstock ins Gesicht geschlagen – zur Empörung einer umstehenden Menschenmenge, die sich inzwischen gebildet hatte. Die Situation eskalierte rasch. Der Polizeichef forderte daher die Armee an. Die Bilanz am Ende der Unruhen: 34 Todesopfer, über 1000 Verletzte, fast 4000 Festnahmen und hohe Sachschäden.Der Grund für die schnelle Eskalation lag einerseits in der Wut über die rassistischen und übergriffigen Praktiken des Los Angeles Police Department gegenüber der schwarzen Bevölkerung sowie andererseits in der Diskriminierung am Arbeitsplatz, Wohnsegregation und Armut in Los Angeles.1968: East LA WalkoutsIm März 1968 kam es in den östlichen Stadtvierteln von Los Angeles zu einem Protest gegen die Ungerechtigkeiten im öffentlichen Bildungswesen. Dort lebten vor allem Amerikaner mexikanischer Herkunft (Chicanos), die in Schulen unterrichtet wurden, deren Ausstattung miserabel war. Gleichzeitig wurde ihnen der Zugang zu höherer Bildung verwehrt. Die Proteste in diesen Stadtvierteln hatten eine große Auswirkung auf die Bürgerrechtsbewegung im Allgemeinen und halfen im Besonderen, den Weg für die Chicano-Bewegung zu ebnen, die für bessere Rechte der Latinos kämpft.1992: Rodney King RiotsDie Unruhen begannen am 29. April 1992, nachdem vier Polizeibeamte freigesprochen wurden, die den Afroamerikaner Rodney King im Vorjahr bei einer Polizeikontrolle mit Stöcken geschlagen hatten. Filmaufnahmen dieses Vorgangs wurden auch im Fernsehen gezeigt. Während sich zunächst die Wut der afroamerikanischen Bevölkerung in Los Angeles in Ausschreitungen äußerte, weiteten sie sich auf andere Gruppen aus und führten zu Plünderungen. US-Präsident George H.W. Bush schickte unter Berufung auf das Aufstandsbekämpfungsgesetz (Insurrection Act) die Nationalgarde, die Armee und die Marines nach Los Angeles. Insgesamt starben 63 Menschen, über 2000 wurden verletzt. Der Schaden wurde auf mehr als eine Milliarde US-Dollar beziffert.2020: George Floyd ProtestsAm 25. Mai 2020 kam der Afroamerikaner George Floyd bei einer Polizeikontrolle in Minneapolis ums Leben, nachdem der Polizist Derek Chauvin neun Minuten lang auf Floyds Hals kniete. Weil der Vorfall gefilmt wurde, verbreitete er sich schnell im Internet und sorgte weltweit für Empörung.Floyds Tod löste massive Demonstrationen gegen Polizeibrutalität und systemischen Rassismus in allen 50 US-Bundesstaaten und in mehreren Ländern aus. Im Zuge der Proteste kam es auch zu Ausschreitungen, Plünderungen und Zusammenstößen mit der Polizei – so auch in Los Angeles. Mehrere Städte verhängten Ausgangssperren, und in diversen Bundesstaaten wurde die Nationalgarde eingesetzt.Martin Klemrath ist Managing Editor bei WELTGeschichte. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die Geschichte der USA, Technikgeschichte, Kulturgeschichte und Zeitgeschichte.mit Reuters/dpa/KNA