PfadnavigationHomeRegionalesHamburgBrandanschlägeAutos angezündet – Linksextreme Szene nimmt prominente Hamburger Unternehmer ins VisierVeröffentlicht am 18.06.2025Lesedauer: 3 MinutenLinksextreme Aktivisten auf dem Dach des linksautonomen Kulturzentrums Rote Flora im Hamburger SchanzenviertelQuelle: picture alliance / ABBfotoSowohl der Chef des Unternehmens Vincorion, Kajetan von Mentzingen, als auch der Kühne-Vertraute Karl Gernandt waren am vergangenen Wochenende das Ziel linksextremer Brandanschläge. Allerdings sollen die Attentäter auch Unbeteiligte getroffen haben. Der Staatsschutz der Hamburger Polizei ermittelt.Die linksextreme Szene hat zwei prominente Hamburger Unternehmer ins Visier genommen. Sowohl der Chef des Unternehmens Vincorion, Kajetan von Mentzingen, als auch der Kühne-Vertraute Karl Gernandt wurden am vergangenen Wochenende das Ziel von Brandanschlägen. Linksextreme zündeten in beiden Fällen Autos an den Privatadressen der Unternehmer in den Stadtteilen Groß Flottbek und Nienstedten an. Lesen Sie auchDie Polizei bestätigte die beiden Anschläge. Neben den Brandermittlern sei auch der Staatsschutz der Polizei in die Ermittlungen involviert, sagte ein Sprecher. Auf der linksextremen Plattform Indymedia wurden in den vergangenen Stunden zudem zwei Bekennerschreiben veröffentlicht.Einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ zufolge sollen aber zumindest im Fall Karl Gernandt nicht der Manager selbst sondern Unbeteiligte Opfer der Anschläge geworden sein. Gernandt soll derzeit nicht an der Adresse wohnen. Es hätten zwei Firmenwagen gebrannt, hieß es.Im Fall des Anschlags gegen Vincorion-Geschäftsführer von Mentzingen sei das Ziel der Aktion der Protest gegen die Rüstungsindustrie und insbesondere gegen das Unternehmen Vincorion gewesen, das militärische Systeme wie Generatoren und Waffenkomponenten für unter anderem Leopard-2-Panzer, NH90-Hubschrauber und das Patriot-Raketensystem liefert. Die Aktion wird im Kontext des Veteranentags 2025 und wachsender Militarisierung in Deutschland gesehen. Die Gruppe ruft zum militanten, antimilitaristischen Widerstand auf – gegen Rüstungsunternehmen, Bundeswehr, Großkonzerne und staatliche Institutionen.Im Fall von Gernandt, der ein enger Vertrauter und Manager des Milliardärs Klaus-Michael Kühne ist, richtet sich der Anschlag laut Bekennerschreiben gegen das geplante Opernhaus am Baakenhöft in Hamburg, das mit öffentlichen und privaten Mitteln, insbesondere der Kühne-Stiftung, finanziert werden soll. Die Gruppe kritisiert das Projekt als Symbol für reiche Eliten, Geschichtsvergessenheit und neokoloniale Stadtpolitik. Sie verweist auf die NS- und Kolonialvergangenheit der Familie Kühne, insbesondere auf die Rolle von Kühne + Nagel bei Enteignungen jüdischer Haushalte.Lesen Sie auchDie Aktion stehe im Zusammenhang mit einem antikapitalistischen und antikolonialen Protest gegen die Einflussnahme von Superreichen in Hamburg, heißt es. Die Gruppe fordert eine Umverteilung der Vermögen von Kühne und Gernandt an die Nachkommen kolonialer und faschistischer Opfer sowie die Übergabe ihrer Immobilien an Geflüchtete.„Angriff auf unser gesellschaftliches Miteinander“Die Hamburger CDU reagierte mit Bestürzung auf die Brandanschläge. „Mein Mitgefühl gilt Karl Gernandt, der mit dieser feigen Tat persönlich getroffen wurde“, sagte Dennis Thering, Vorsitzender der CDU-Fraktion. „Solche Angriffe sind nicht nur ein Angriff auf das Eigentum einer einzelnen Person, sondern ein Angriff auf unser gesellschaftliches Miteinander und die freie Meinungsäußerung.“„Gesellschaftliche Auseinandersetzung, politische Kritik und Protest haben ihren Platz in der Demokratie, aber nicht dort, wo Menschen zu Zielscheiben werden“, sagte Thering. „Wer Meinungsverschiedenheiten mit brennenden Autos austrägt, greift nicht nur Einzelne an, sondern beschädigt das Fundament unserer offenen Gesellschaft.“dfe