PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungNeue BundesregierungEndlich wieder Wachstum in SichtVon Jan DamsChefreporter WELT am SonntagVeröffentlicht am 13.06.2025Lesedauer: 3 MinutenSonnenaufgang über einem Container-HafenQuelle: picture alliance/Connect Images/LB StudiosNach einer Dauerflaute ohne Beispiel sieht die deutsche Wirtschaft Licht am Ende des Tunnels. Weil die schwarz-rote Regierung von Friedrich Merz bislang einen besseren Job macht als die Ampel. Aber die wichtigste Weichenstellung steht noch aus.Wachstum ist nicht alles, aber ohne Wachstum ist alles nichts. Vorbei sind die Zeiten, in denen – auch in Deutschland – diskutiert wurde, ob die Steigerungsraten beim Bruttoinlandsprodukt der richtige Gradmesser für das Wohlbefinden einer Bevölkerung sind. Oder ob nicht irgendwelche Gefühlskennzahlen besser geeignet wären. In mehr als zwei Jahren wirtschaftlicher Flaute ist vielen Menschen klar geworden, dass Wohlstand zuerst erwirtschaftet werden muss, bevor er verteilt werden kann. Umso erfreulicher sind daher die Nachrichten, die in dieser Woche vom ifo Institut und anderen Wirtschaftsforschern kamen: Für Deutschland ist ein Aufschwung in Sicht, wenn auch für dieses Jahr nur ein kleiner. 2026 könnte die Wirtschaft schon stärker wachsen. Noch nie dämmerte die deutsche Volkswirtschaft so lange in einer Phase des langsamen aber beständigen Niedergangs. Das macht nicht nur den Firmen Probleme, die nicht wissen, wie sie Rechnungen sowie Löhne bezahlen sollen und ob sich Investitionen noch lohnen. So eine Dauerflaute macht auch etwas mit der Psyche einer Bevölkerung. Das Quartal für Quartal in Zahlen gegossene Gefühl, dass es nicht besser wird, nährt den Eindruck des unausweichlichen Niedergangs – beim Unternehmer und natürlich auch beim Bürger. „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie“, soll Ludwig Erhard gesagt haben, der zwar kein erfolgreicher Bundeskanzler war, dafür aber ein guter Wirtschaftsminister. Die Ampelregierung unter Olaf Scholz (SPD) hat es nicht vermocht, die richtigen Impulse zu setzen. Die schwarz-rote Regierung von Friedrich Merz (CDU) macht da zumindest bislang einen besseren Job. Die Rechnung ist auch recht einfach: Das 500-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket entfacht Nachfrage und damit Wachstum. Angesichts dieser Aussichten werden Firmen wieder stärker investieren. Die recht niedrigen Zinsen helfen dabei. Neue Sonderabschreibungen auf solche Investitionen werden viele Unternehmen schnell entlasten. Und die Aussicht auf Steuersenkungen – wenn auch erst ab 2028 – gibt ebenfalls ein Anlass zur Hoffnung. Das größte Risiko geht derzeit vor allem vom Zollstreit mit den USA aus. Lesen Sie auchKritiker weisen zurecht darauf hin, dass es sich diese Koalition an vielen Stellen zu einfach gemacht hat. Dass sie die Schuldenbremse umgangen hat, ohne vorher die notwendigen Reformen beschlossen zu haben. Dass bei Rente, Krankenversicherung, Steuern und Digitalisierung Handlungsbedarf besteht. Das ist alles richtig. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es für eine schwarz-gelbe Regierung nicht gereicht hat, die vielleicht stärker im Sozialen beschnitten hätte. Die Union koaliert mit der SPD. Koalitionen funktionieren nur, wenn beide Seiten bis zu einem gewissen Punkt kompromissbereit sind. Die Ampel hat vorgeführt, wie es aussieht, wenn das nicht der Fall ist. Die einzig andere, theoretisch mögliche Konstellation, CDU/CSU und AfD, könnte auch nicht ohne Kompromisse regieren. Nur wären die für viele Menschen noch viel unerträglicher.Für das Land, seine Wirtschaft und die Bürger kommt es darauf an, dass die Regierung den Anfangsoptimismus, den die Milliarden ihr verleihen, nicht als Alibi nimmt, um die anstehenden Reformen auszusitzen. Dann bliebe dieser Aufschwung nur ein Strohfeuer. Deutschland braucht Maßnahmen, die das Land langfristig wettbewerbsfähig machen. Merz weiß das. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) weiß es auch.