Martin Jäger kennt sich aus mit Krisen und Kriegen; er war deutscher Botschafter in Kabul, später in Bagdad und ist es heute in Kiew. Womit eine der Kernkompetenzen für den Posten beschrieben wäre, der ihm als Nächstes zugedacht ist: Der deutsche Diplomat soll an die Spitze des Bundesnachrichtendienstes (BND) treten als Nachfolger des langjährigen Geheimdienstchefs Bruno Kahl.

Eigentlich hätte die Personalie, über die zunächst der Spiegel berichtete, am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden sollen als Teil eines großen Personalpakets zur Besetzung diplomatischer Top-Posten. Die Abstimmung über das ganze Paket wurde nach SZ-Informationen aber kurz vor der Kabinettssitzung von der Tagesordnung genommen – offenbar weil eine der Personalien noch nicht geklärt werden konnte.

Russland wird noch mehr im Zentrum stehen

Das Paket scheint insgesamt aber nicht infrage zu stehen und damit auch nicht die Berufung des 60-jährigen Jäger zum Chef des deutschen Inlandsgeheimdienstes. Der Diplomat gilt nicht nur als krisenerfahren, sondern auch als in Berlin und insbesondere in der CDU gut vernetzt. Seine frühe Karriere war allerdings verbunden mit dem jetzigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, dem er in dessen erster Amtszeit als Außenminister als Sprecher diente. 2008 wechselte Jäger für fünf Jahre als Lobbyist mit Zuständigkeit Außenbeziehungen zum Daimler-Konzern. Nach einem kurzen Einsatz als Botschafter in Kabul trat er als Sprecher in die Dienste des damaligen Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU). Von 2018 bis 2021 war er Staatssekretär im Entwicklungsministerium.