Wer zum Eisbaden in Elbe, Isar oder Spree steigt, sucht den Kälteschock, der den Kreislauf in Schwung bringt. Dabei speichern Flüsse gewaltige Mengen Wärme, selbst an bitterkalten Tagen – auch wenn Winterschwimmer das wohl anders empfinden. Die Wassertemperatur sinkt selten unter sechs Grad, selbst wenn die Luft tagelang frostig bleibt.

Für den Mannheimer Versorger MVV ein guter Grund, den Rhein, der am Stadtrand entlangfließt, als Wärmequelle zu nutzen: Das Unternehmen hat schon im Oktober 2023 eine Wärmepumpe installiert, die aus dem Fluss Heizenergie gewinnt. „Wir leiten pro Sekunde rund 1000 Liter Wasser aus dem Rhein, um ihm mithilfe von Wärmetauschern Wärme zu entziehen“, erklärt Felix Hack, Projektleiter Fluss-Wärmepumpe bei MVV.

Die so erzeugte Wärme speist der Versorger ins Fernwärmenetz der Stadt, das leicht abgekühlte Wasser fließt zurück in den Rhein. „Wir versorgen mit unserer bestehenden Anlage rechnerisch rund 3500 Haushalte“, sagt Hack. Im Herbst 2028 soll eine zweite, deutlich größere Wärmepumpe dieser Art hinzukommen, die auf den Heizenergiebedarf von bis zu 40000 Haushalten ausgelegt ist.

Das technische Potenzial solcher Fluss-Wärmepumpen ist enorm, wie eine Studie der TU Braunschweig zeigt. „Unsere Berechnungen ergeben, dass Flüsse und Bäche bis zu 94 Prozent des deutschen Wärmebedarfs im Niedertemperaturbereich – vor allem für Raumwärme, aber auch für Warmwasser und Prozesswärme bis 100 Grad – decken könnten“, sagt Christian Seidel. Er ist Arbeitsgruppenleiter Regenerative Energien am Institut für Statik und Dynamik der TU Braunschweig. In 41 der 80 untersuchten Großstädte ließe sich sogar der gesamte Raumwärmebedarf aus Fließgewässern decken.