Seit ihrem sechsten Lebensjahr macht die Sängerin Leony Musik. Den Durchbruch hatte sie in der Corona-Zeit mit verschiedenen Dance-Pop-Songs. Privat ist die Oberfränkin bodenständig und rollt noch immer das „R“. Ein Interview mit ihren zwei Fans Helena (11 Jahre) und Lilly (10 Jahre).Die deutsche Sängerin Leony begeistert nicht nur mit Hits wie „By Your Side (In My Mind)“ oder „Remedy“, sondern auch mit ehrlichen Antworten. Bekannt ist die 27-Jährige als Jurorin bei „DSDS“ und durch „Fire“, dem offiziellen Song zur Fußball-EM 2024, den sie zusammen mit OneRepublic und Meduza aufnahm. Im WELT-Interview stellt sich die Sängerin den Fragen zweier Superfans aus Berlin: Helena (11 Jahre) und Lilly (10 Jahre), Tochter der Autorin. Dabei verrät Leony, warum sie lieber auf Englisch singt und was ihr Opa mit einem ihrer Songs zu tun hat. Ein Gespräch über Musik, Mut und Mobbing – und darüber, was wirklich zählt.WELT: Hallo Leony.Leony: Hallo. Oh, jetzt ist auf einmal Feuerwerk hier bei mir – was habe ich denn jetzt gemacht? (Leony erscheint im Videocall. Im Hintergrund ist plötzlich ein Nachthimmel zu sehen, animierte Raketen fliegen)WELT: Sieht toll aus.Lesen Sie auchLeony: Haha, so, jetzt ist es wieder normal. (Leony sitzt zu Hause am Tisch und hat im rechten Ohr einen Kopfhörer. Im Hintergrund sieht man jetzt die Küchenzeile ihrer Wohnung in Berlin)WELT: Das ist meine Tochter Lilly und ihre Schulfreundin Helena. Sie sind riesige Fans von Dir und total aufgeregt. Ach so – Entschuldigung. Dürfen wir Du sagen?Leony: (lächelt) Ja, natürlich, sehr gern. Ihr müsst nicht aufgeregt sein.WELT: Wie viele Stunden Klavier hast Du heute schon gespielt?Leony: Heute tatsächlich noch nicht, weil ich viele Termine hatte und gleich auch noch habe. Es ist auch etwas weniger geworden, weil mehr los ist. Als Kind hatte ich mehr Freizeit und mehr Kopf dafür. Aber auch so dreht sich ja mein ganzes Leben um die Musik. Wenn ich mal ein paar Tage länger zu Hause bin, dann bin ich aber natürlich viel am Klavier oder an der Gitarre und klimpere ein bisschen herum.WELT: Du hast schon mit sechs Jahren angefangen, Klavier zu spielen. Musstest Du zum Üben überredet werden?Leony: Der Wunsch, Klavier zu spielen, kam von mir selbst. Aber klar, im Klavierunterricht muss man auch Sachen spielen, die einem nicht so liegen – Klassik etwa, obwohl ich Pop spielen wollte. Da hat es schon auch mal nachgelassen, dass ich meine Aufgaben nicht gemacht habe. Aber Gott sei Dank hatte ich eine tolle Klavierlehrerin, die darauf eingegangen ist, dass mich eher Rock, Jazz und Pop interessiert haben. Daraufhin haben wir dann den Lehrplan geändert, natürlich auch viel Theorie gemacht. Das hat mir auch Spaß gemacht – in Kombination mit den modernen Stücken.WELT: Jetzt machst Du als Künstlerin auch moderne Musik, die man im Radio hört – Elektro-Pop wie „In My Mind“ oder „Remedy“, richtige Ohrwürmer. Was würdest Du für Musik machen, wenn Du singen könntest, worauf Du Lust hast – ohne an Publikumserfolg zu denken?Leony: Ehrlich gesagt trotzdem das, was ich jetzt mache – da stehe ich 100 Prozent dahinter. Natürlich weiß ich nicht, welchen Geschmack ich noch entwickeln werde. Ich liebe Balladen, darum ist es mir auch immer wichtig, auf jedem Album ein paar ruhige Songs zu haben. Bei meinen Shows und Konzerten spiele ich live auch immer Songs nur mit Klavier oder Gitarre – das ist Teil meiner musikalischen Identität. Ich bin schon sehr happy mit meiner Musik.Helena: Schreibst Du Deine Texte alle selbst?Leony: Zu 99 Prozent. Es schreiben fast immer noch ein paar Leute mit. Ich habe hier in Berlin ein festes Team, mit dem ich seit sechs Jahren an den Songs zusammenarbeite. Den Text schreibe ich aber sehr gern allein, weil ich selbst am besten weiß, was ich wie sagen will.Lilly: Mich würde interessieren, mit welchem Künstler Du gern mal zusammenarbeiten würdest.Leony: Meine Traumzusammenarbeit wäre mit Coldplay – kennt Ihr die? Ich bin ein ganz großer Fan, ich liebe die Musik und deren Live-Show. Es gibt noch viele andere tolle Künstler, aber mein Nummer-1-Traum sind Coldplay und Chris Martin.Helena: Was ist denn Dein eigenes Lieblingslied von anderen Musikern?Leony: Puh, das ist eine schwierige Frage. Ich habe ganz viele Lieblingssongs. Moment, ich gucke mal in meine Spotify-Playlist. Also momentan ist mein Lieblingssong von einer Künstlerin, die ich auf TikTok entdeckt habe. Sie heißt Jackie Evans, und der Song heißt „Most Of The Time“. Ich liebe aber auch den Song „September“ von Earth, Wind and Fire. Und sehr viel von Coldplay – zum Beispiel „Fix You“. Es kommt immer auf meine Stimmung an.Lilly: Was sind denn außerhalb von Singen und Klavierspielen Deine Hobbys – also was Du sonst noch so gern machst?Leony: Ich koche sehr gern, ich treffe mich sehr gern mit Freunden, ich reise gern, ich lese gern. Vor Kurzem habe ich angefangen, Schach zu spielen – das mache ich viel. Ich verbringe viel Zeit mit meinem Hund, kuschle mit ihr und gehe spazieren.Lilly: Du hast aber bestimmt sehr viel zu tun als Sängerin. Wie viel Zeit bleibt Dir noch für Freunde und Familie?Leony: Ich versuche, das unter einen Hut zu bekommen. Gott sei Dank unterstützen mich meine Freunde und meine Familie, wo sie können – sie sind auch bei ganz vielen Shows dabei. In den letzten sechs Jahren habe ich viel Zeit in meine Arbeit gesteckt, auch um dann ein bisschen mehr Freiraum zu haben. Dieses Jahr will ich etwas mehr Quality-Time mit meinen Liebsten verbringen – öfter mal nach Bayern fahren, wo ich ja herkomme.Helena: Wohin möchtest Du mal reisen?Leony: Ich würde sehr gern noch mehr von Asien sehen. Ich war bisher nur in Thailand – und auch nur ganz kurz, für Dreharbeiten von „DSDS“ („Deutschland sucht den Superstar“) vor zwei Jahren. Da habe ich aber nicht viel gesehen. Die Gegend würde ich gern näher kennenlernen.Lilly: Ich weiß, dass Du schon mal Stargast bei „The Voice Kids“ warst – im Team von Lena (Lena Meyer-Landrut, d. Red.). Willst Du gern selbst auch in der Jury sitzen, vielleicht bei „The Voice Of Germany“?Leony: Sehr gerne. Also ich hatte unheimlich viel Spaß auch bei „DSDS“ und könnte es mir auf jeden Fall vorstellen, noch mal in einer Jury zu sitzen.WELT: Erst vor Kurzem kam Dein Album „Oldschool Love“ heraus und Du warst auf Tour. Arbeitest Du schon am nächsten Projekt?Leony: Erst mal spiele ich im Sommer auf vielen Festivals – in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Es passiert auch kurzfristig immer sehr viel in der Branche. Natürlich schreibe ich parallel Songs. In den nächsten Monaten kommt ein neuer mit einem anderen Künstler zusammen heraus. Mehr darf ich leider noch nicht verraten.Deutsche Songs kommen nicht infrageWELT: Wirst Du in dem Song Deutsch singen oder bleibst Du dabei, dass Du nur Englisch singst?Leony: Ich bleibe beim Englischen.Lilly: Hat das einen bestimmten Grund oder magst Du die Sprache einfach lieber?Leony: Das hat sogar mehrere Gründe. Zum einen komme ich aus Bayern und habe einen ganz starken Dialekt. Seitdem ich vor ein paar Jahren nach Berlin gezogen bin, habe ich ihn mir abgewöhnt – aber man hört es noch an meinem rollenden „R“. Es war für mich am Anfang schwer, Hochdeutsch zu singen – das klang irgendwie alles doof. Zum anderen waren meine Vorbilder schon als Kind internationale Sängerinnen wie Alicia Keys oder Christina Aguilera. Damit habe ich mich immer wohler gefühlt.WELT: Du hast viele weibliche Fans, darunter auch junge Mädchen und Kinder. Spürst Du da Verantwortung durch Deine Vorbildfunktion?Leony: Ich selbst präsentiere mich nicht als Vorbild – das suchen sich die Fans selbst aus. Aber ich weiß, wie man sich als junges Mädchen fühlt, wenn man Träume hat, die nicht der Norm entsprechen. So war es bei mir mit dem Singen. Man sollte sich nicht zu viel reinreden lassen von anderen, wie man zu sein oder auszusehen hat. Solange Du niemanden gefährdest oder reinziehst, solltest Du tun, was Du willst. Es ist allein Dein Leben. Lebe es, wie es Dir gefällt.WELT: Du wurdest in der Schule von anderen Kindern gehänselt, weil Du Sängerin werden wolltest, und hast immer noch mit Hasskommentaren zu tun. Thematisierst Du das?Leony: Viele meiner Fans erleben Hass im Internet oder Mobbing in der Schule. Ich versuche, ihnen ein Gefühl zu geben und zu sagen: Diese Menschen, die schlecht über einen reden, sind oft so unzufrieden mit sich selbst und das müssen sie an irgendjemandem auslassen. Und dass man an seine Träume glauben soll – egal, ob man Sängerin werden oder einen anderen Beruf machen will. Wenn man viel dafür tut und Leute hat, die an einen glauben, kann man grundsätzlich alles schaffen. Davon bin ich überzeugt.WELT: Du hast trotz Misserfolgen weitergemacht, warst bei verschiedenen Labels, der Erfolg ist hart erarbeitet. Hat Dich das gestärkt – oder bist Du einfach ein stabiler Charakter?Leony: An sich bin ich eine gefestigte Person und komme aus einer tollen Familie. Meine Eltern haben mir viel Liebe gegeben und mich bei allem unterstützt. Aber klar – ich habe vor zehn Jahren Abitur gemacht und bin seitdem in der Musikindustrie. Es gibt dort Höhen und Tiefen und Leute, mit denen man arbeitet, die es im Nachhinein doch nicht so gut mit einem gemeint haben. Songs, die nicht funktionieren. Am Ende wird man mit jeder Erfahrung besser. Wenn ich mir jetzt meine eigene Show von vor fünf Jahren angucke, dann ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich bin froh, dass ich nicht über Nacht ein Weltstar wurde, sondern ins kalte Wasser gesprungen bin und sich alles nach und nach aufgebaut hat.WELT: Du legst viel Wert darauf, respektvoll und höflich aufzutreten und sagst immer wieder, dass Du Star-Allüren nicht leiden kannst. Was bringt Dich mal so richtig in Rage?Leony: Es gibt schon auch Momente, wo ich mich auch mal mit Freunden ungeniert aufrege. Aber grundsätzlich bin ich ein sehr entspannter Mensch und finde: Egal, was passiert – es kann gar nicht so schlimm sein, oder? Bislang hat sich immer eine Lösung gefunden.WELT: Bringt Dich gar nichts aus der Ruhe?Leony: Mich regen Menschen auf, die es nicht gut meinen oder die ungerecht zu anderen Menschen und sehr egoistisch sind. Aber ich würde sagen, das sind keine bestimmten Situationen.Helena: Was wärst Du eigentlich geworden, wenn es mit dem Singen nicht geklappt hätte?Leony: Das kann ich gar nicht sagen, ich weiß es nicht. Weil für mich, seit ich ein ganz, ganz kleines Mädchen war, klar war, was ich wollte. Schon mit sechs habe ich meiner Mutter gesagt, dass ich Sängerin werden und auf die Bühne will. Zum Glück hat es geklappt – wenn auch über ein paar Umwege. Aber ich musste mir nie einen Plan B ausdenken. Alles andere wäre nur eine Notlösung gewesen.Lilly: Hast Du auch ein Lieblingslied von Dir selbst?Leony: Das fällt mir auch wieder schwer auszuwählen. Auf meinem neuesten Album sind viele persönliche Lieder drauf. Ich habe zum Beispiel einen Song über meinen verstorbenen Opa geschrieben, „Your Way“. Mein Opa war einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben und von ihm habe ich sehr viel mitgenommen. Er war ein sehr positiver, lebensfreudiger Mensch und hat immer gesagt: Alles, was für Dich bestimmt ist, wird irgendwann zu Dir kommen. Auch den Song „Oldschool Love“, der meinen Eltern gewidmet ist, mag ich sehr. (Zu Lilly) Hast Du denn einen Lieblingssong von mir?Lilly: Ich glaube, „Remedy“ tatsächlich. (Der Song entstand 2022 und handelt davon, dass ein Mensch jemand anderen aus einem Tief wie ein „Gegengift“ herausholen kann. Kurz darauf war Leony in der Jury von „DSDS“ und wurde danach einem breiteren Publikum bekannt) Helena: Ich würde auch sagen, „Remedy“.WELT: Was willst Du noch erreichen und was wäre Dein Traum-Gig?Leony: Ich hoffe, dass noch ganz viel kommt, weil mir das Leben, das ich führe, so viel Spaß macht. Der größte Traum ist, eine eigene Stadiontour zu spielen und international noch erfolgreicher zu werden. Ich hoffe, dass meine Erfolge hier im deutschsprachigen Raum auch auf andere Länder überschwappen.Sichern Sie sich hier Ihre exklusive WELT-Künstlerausgabe von KAWS für nur 5,75 €!Die Künstlerausgaben der letzten Jahre können Sie unter welt.de/kuenstler nachbestellen – nur solange der Vorrat reicht!