Zunächst die Vorteile eines Tausende Quadratkilometer großen Algenteppichs auf dem Atlantik: Schwimmende Braunalgen der Gattung Sargassum, auch Golftange genannt, bieten mehr als 200 Arten von Organismen eine Heimstatt. Fische brüten unterhalb der Algen ihre Eier aus, junge Meeresschildkröten finden darin Schutz vor Raubtieren. Etliche Meeresvögel nutzen Sargassum-Teppiche wiederum als Jagdgebiet.
Zum Problem werden die Algen jedoch, wenn sie auf Land treffen – und das ist derzeit in großen Teilen der Karibik der Fall. Die Braunalgen türmen sich an den Stränden der mexikanischen Halbinsel Yucatan auf, verrotten an der Küste Guyanas, verstopfen Häfen auf Puerto Rico. Da sie massenhaft Insekten anziehen und Gase wie Schwefelwasserstoff ausdünsten, bergen die Algen Gesundheitsgefahren für Anwohner. Auf der französischen Insel Martinique musste kürzlich eine Schule wegen der verpesteten Luft schließen. Und natürlich schreckt der Anblick und der stechende Geruch der braungrünen Batzen auch Touristen ab, auf die viele karibische Orte angewiesen sind.
Sargassum-Berge an der Küste Puerto Ricos.
(Foto: Alejandro Granadillo/AP)
Sargassum machte sich in den vergangenen Jahren immer wieder in der Karibik breit, doch so schlimm wie derzeit war es wohl noch nie. Laut einem aktuellen Bericht der University of South Florida treiben derzeit 38 Millionen Tonnen Algen im Meer – das übertrifft den bisherigen Rekord von 22 Millionen Tonnen im Jahr 2022 deutlich. Und im Juni dürfte die Menge weiter anwachsen. Die Forscherinnen und Forscher aus Florida beobachten die Ausbreitung unter anderem mit Satelliten. Der Algen-Teppich erstreckt sich demnach vom Golf von Mexiko über die Karibik bis weit hinein in den offenen Atlantik, in etwa auf der Höhe Brasiliens. „Großer Atlantischer Sargassum-Gürtel“ haben Wissenschaftler das Phänomen getauft.







