PfadnavigationHomeWissenschaftBis zu 70 Prozent Verlust„Ernste Bedrohung“ – Pflanzenkrankheit Stolbur bringt heimische Kartoffelernte in GefahrVeröffentlicht am 11.06.2025Lesedauer: 2 MinutenDie Pflanzenkrankheit Stolbur bringt die heimische Kartoffelernte in Gefahr. Übertragen wird Stolbur durch die Schilf-Glasflügelzikade, so das Landwirtschaftsministerium in Baden-Württemberg. Die Ausfälle betragen bis zu 70 Prozent.Zuerst wurden Zuckerrüben weich, dann Kartoffeln, nun sind auch andere heimische Gemüsesorten in Gefahr. Schuld daran ist ein kleines Insekt, das Bakterien verbreitet: die Schilf-Glasflügelzikade.Eine Pflanzenkrankheit sorgt bei Kartoffel- und Gemüsebauern derzeit für große Einbußen bis hin zum Totalausfall. Betroffen sind in einigen Teilen Deutschlands vor allem Zuckerrüben und Kartoffeln. In Baden-Württemberg werden nach Angaben des Stuttgarter Landwirtschaftsministeriums aber auch Ertrags- und Qualitätsverluste bei Rote Bete, Sellerie, Kohl, Zwiebel und Möhren registriert. Für die Ausbreitung der Pflanzenkrankheit Stolbur ist eine Zikaden-Art verantwortlich. Dabei wird das Bakterium Candidatus Phytoplasma solani durch Stiche der Schilf-Glasflügelzikade auf Pflanzen übertragen. Infizierte Bestände welken, Wurzeln und Knollen werden gummiartig. Der Ertrag sinkt, Geschmack und Qualität leiden, etwa durch geringeren Zuckergehalt. Bei starkem Befall können Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüse nicht verarbeitet und gelagert werden. Ein Ministeriumssprecher sprach deshalb bereits von einer „ernsten Bedrohung“ für die Versorgung mit heimischen Kartoffeln, Gemüse und Zucker.Auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, macht sich „sehr große Sorgen“ wegen der rasanten Verbreitung der Schilf-Glasflügelzikade. Das Insekt habe sich von Baden-Württemberg über Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen weiter in den Norden verbreitet und sei inzwischen auch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt entdeckt worden. Er fordert effektive Mittel zur Bekämpfung der Zikaden.Nach Angaben der Umwelt-Referentin des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg, Isabell Pergner, gab es im vergangenen Jahr allein in Baden-Württemberg in allen relevanten Rübenanbaugebieten Ertragsverluste von bis zu 25 Prozent und stark reduzierte Zuckergehalte. Im Kartoffelanbau wurden demnach Verluste von bis zu 70 Prozent dokumentiert.Lesen Sie auch„In einigen Betrieben steht der Fortbestand des Anbaus infrage“, so die Verbandssprecherin. Die Krankheit entwickle sich zu einem ernsthaften wirtschaftlichen Risiko für ganze Regionen. Es brauche deshalb dringend eine reguläre Zulassung wirksamer Pflanzenschutzmittel sowie die gezielte Förderung praxisnaher Forschung zu Resistenzzüchtung und nachhaltigen Bekämpfungsstrategien. Nach Angaben der Verbände und Behörden gibt es keine Hinweise, dass Stolbur für den Menschen gesundheitsschädlich sein könnte. Auch kommen Kartoffeln und Gemüse mit gummiartiger Konsistenz oder bei Anzeichen von Fäulnis erst gar nicht in den Handel.dpa/kami