Hautkrebserkrankungen nehmen in Bayern deutlich zu. Wie der Arztreport der Barmer Krankenkasse 2025 belegt, haben sich die Diagnosen von schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) mehr als verdoppelt: von 29 250 im Jahr 2005 auf mehr als 71 150 Fälle 2023. Auch die Diagnose „weißer Hautkrebs“ wird immer häufiger gestellt – die Zahlen steigen von rund 112 200 auf 295 000 Fälle. Besonders betroffen ist laut Arztreport die „Babyboomer-Generation“, also Menschen, die zwischen 1950 und 1964 geboren sind.

Christoph Liebich, seit 1999 Facharzt für Dermatologie, hat eine große Praxis in der Münchner Innenstadt. Der 58-Jährige bestätigt die Zahlen. „In den vergangenen 50 Jahren haben sich die Hautkrebserkrankungen tatsächlich vervierfacht“.

SZ: Herr Liebich, die Babyboomer haben sich also kaum vor einem Sonnenbrand geschützt und sich nicht mit einer Sonnencreme mit Sonnenschutzfaktor 50 plus eingeschmiert?

Christoph Liebich: Cremes mit so hohem Lichtschutzfaktor gab es da noch nicht. Erst etwa Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre kamen Cremes mit vernünftigem Lichtschutzfaktor auf den Markt. Die hohen Zahlen haben also auch etwas mit der Geschichte und mit Modetrends zu tun. Früher war die Oberschicht zum Beispiel nicht sonnengebräunt, das gehörte sich nicht. Aber nach dem Krieg, vor allem Mitte der Sechzigerjahre, ging es dann ab in den Süden, nach Italien – und die Menschen kamen nach dem Urlaub sonnengebräunt wieder. In den Süden zu fahren, wurde ein Trend. Braun zu sein, galt plötzlich als schön.