PfadnavigationHomeRegionalesHamburgCarlo von Tiedemann (✝)Er war für sein Publikum mehr als nur ein ModeratorVeröffentlicht am 10.06.2025Lesedauer: 3 MinutenEr war der NDR-Kultmoderator: Carlo von Tiedemann, der bis ins hohe Alter für das Radio tätig warQuelle: picture alliance/dpa/NDR/Andrea SeifertDie norddeutsche TV-Legende Carlo von Tiedemann ist gestorben. Auch in schwierigen Zeiten blieb er ein Kämpfer, der nie den Humor verlor. Der Tod war, so seine Frau, am Ende für ihn auch eine Erlösung.Mit Carlo von Tiedemann verliert Deutschland eine der bekanntesten und beliebtesten Stimmen des Nordens. Der langjährige Moderator, Entertainer und Radiomann starb im Alter von 81 Jahren nach langer Krankheit, wie seine Ehefrau bestätigte.Geboren 1943, wurde von Tiedemann in den 1970er-Jahren durch seine Arbeit beim NDR einem breiten Publikum bekannt. Ob in der „Aktuellen Schaubude“, „Show & Co. mit Carlo“ oder der „NDR Talkshow“ – seine charmante, humorvolle und stets nahbare Art machte ihn zu einem Publikumsliebling. Auch im Radio war er eine feste Größe: Über 26 Jahre lang prägte er das Programm von NDR 2, später auch von NDR 90,3 und zuletzt NDR Schlager. Sein Lieblingsspruch über all‘ die Jahre: „Schönes arbeiten hier!“In den 1980er Jahren versuchte er etwa bei einem ZDF-Gastspiel auch immer wieder mal, bundesweit zu den Größen des damaligen Showgeschäfts aufzuschließen, aber am Ende blieb er doch vor allem im Norden eine Größe. Für überregionale Schlagzeilen in den Boulevardmedien reichte es aber dennoch immer mal wieder, Alkohol- und andere Suchtprobleme wie die Spielsucht waren lange ein Begleiter. Streitbar war er zudem auch in den letzten Jahren seines Schaffens noch, insbesondere, wenn er bei seinem Heimatsender Sendungen abgeben sollte. Im NDR-Funkhaus kann so ziemlich jeder eine spezielle „Carlo-Geschichte“ erzählen, aber man konnte ihm auch nicht böse sein – und so ging es vielen auch in der Hamburger Gesellschaft, zu der von Tiedemann fraglos gehörte. Mehr als ein ModeratorMit seiner markanten Stimme, seinem feinen Gespür für Unterhaltung und seiner unerschütterlichen Lebensfreude begleitete er jedenfalls Generationen von Zuschauerinnen und Zuhörern. Dabei war dieser Weg für Carl Ferdinand Hanns-Joachim Franz Friedrich von Tiedemann keineswegs vorgezeichnet. Er kam im pommerschen Stargard zur Welt. Sein Vater Carl, bei Carlos Geburt 65 Jahre alt, war Generalleutnant der preußischen Armee. Und seine Mutter Fides eine geborene von Kleist – womit von Tiedemann den Schriftsteller Heinrich von Kleist (1777-1811) zu seinen Vorfahren zählen konnte.In den Wirren des Zweiten Weltkriegs musste die Familie Ende 1944 ihr Gutshaus verlassen und nach Holstein flüchten. „Ich hatte wunderbare Eltern“, erinnerte sich Tiedemann in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur zu seinem 80. Geburtstag 2023.Zudem hatte von Tiedemann Kinderlähmung und zwei Hirntumore zu überstehen. Auf Drängen seiner Eltern absolvierte er nach der Mittleren Reife eine Lehre als Verlagskaufmann. Doch wegen seines Interesses an Sprache fühlte er sich zum Journalismus hingezogen. Er volontierte bei der „Cuxhavener Allgemeinen“, schrieb als Polizeireporter für das „Hamburger Abendblatt“ und ging für drei Jahre als Korrespondent für den Springer Auslandsdienst nach Buenos Aires in Argentinien. Dann verschlug es ihn zum NDR, wo er mit seiner lockeren Art, die heute vermutlich zu dem ein oder anderen Problem geführt hätte, Karriere bis in die Herzen seines Publikums hinein machte. Und diese Stellung als Publikumsliebling hegte und pflegte er bis zuletzt.„Eine große Erlösung“Seine Frau sagte laut „Bild“-Zeitung zum Abschied: „Es war zum Schluss eine große Erlösung für ihn. Seine Kinder und ich waren in den letzten Tagen bei ihm, haben seine Hand gehalten. Er hat einfach aufgehört zu atmen.“