C. Bernd Sucher hat sich einige Prominenz erworben als Mann des Wortes, des Theaters und der Literatur. Vergangenen Herbst ist der erste Roman des Autors, Hochschullehrers und ehemaligen Theaterkritikers der Süddeutschen Zeitung erschienen. „Rahels Reise“ heißt die Geschichte einer jüdischen Großfamilie, die nicht wenig zu tun hat mit Suchers eigener Familie und damit auch mit ihm, dem 1949 in Bitterfeld geborenen Sohn einer Jüdin und eines Protestanten. Es hat lange gedauert, bis Sucher für sich konstatieren konnte, ein Mensch „mosaischen Glaubens“ zu sein und sich damit auch öffentlich zu positionieren. Vor wenigen Tagen hat ihn die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom München mit ihren etwa 900 Mitgliedern einstimmig zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Er folgt damit Eva Ehrlich im Amt, die nicht mehr angetreten ist. In seiner Münchner Altbauwohnung spricht der 75-Jährige über die Suche nach Identität, Familie und Haltung in krisenhafter Zeit.