PfadnavigationHomePanoramaFestival in der EifelBeim Geheimkonzert macht ein Rock-am-Ring-Fan plötzlich einen HeiratsantragVon Tobias DupkeVeröffentlicht am 10.06.2025Lesedauer: 5 MinutenDa ist Musik drin: Feine Sahne Fischfilet auf dem Zeltplatz B5Quelle: Tobias Dupke90.000 Menschen feiern bei regnerischem Wetter den 40. Geburtstag von Rock am Ring. Die Band Kraftklub spielt ihr Konzert teilweise mitten im Publikum. Auf dem Campingplatz kommt es zu einer emotionalen Szene.Dass sie „Ja“ sagt, geht im Jubel des Campingplatz-Publikums bei Rock am Ring in der Eifel völlig unter. Jonas, 27, ist wenige Momente vorher auf die Knie gegangen, hat um die Hand seiner Freundin Isabell, 28, angehalten. Monchi, der Sänger von Feine Sahne Fischfilet, hat das Überraschungskonzert auf dem Zeltplatz B5 kurz unterbrochen und das junge Paar aus Düsseldorf auf den Feuerwehrwagen geholt, der ihm als Bühne dient.„Wir haben uns hier kennengelernt, das ist unser magischer Ort“, sagt Jonas – und macht dieses Konzert mit seinem emotionalen Antrag zu einem von vielen magischen Momenten bei Rock am Ring 2025. Das Musikfestival endet an diesem Sonntag. Auf dem Programm stehen am Abend Bands wie die Beatsteaks, Falling in Reverse, Korn und ZSK.Lesen Sie auchSeit Freitag feiern am Nürburgring 90.000 Menschen den 40. Geburtstag des Rockfestivals. Veranstalter DreamHaus hat für das Jubiläum vier statt der regulären drei Bühnen aufgestellt und mehr als 100 Bands engagiert, die trotz Regen für Stimmung sorgten. Parallel zu Rock am Ring zelebrierte das Zwillingsfestival Rock im Park in Nürnberg seinen 30. Geburtstag – zum überwiegenden Teil mit denselben Künstlern wie in der Eifel.Am Nürburgring erlebten die Besucher eine Überraschung nach der anderen. Neben dem Geheimkonzert von Feine Sahne Fischfilet auf dem Campingplatz spielte am Samstag die Band Kraftklub ein paar Lieder mitten im Publikum auf der Rennstrecke. Auf den Videoleinwänden flackerten zwar die Bilder des Auftritts, aber viele Besucher waren enttäuscht, da der Sound kaum zu hören war.Lesen Sie auchEine weitere Überraschung, die im Vorfeld zu Mutmaßungen geführt hatte: Die Veranstalter hatten bis zum Start des Festivals nicht bekannt gegeben, wer den Eröffnungsauftritt am Freitagmittag spielt. Die Wahl war auf Electric Callboy gefallen. Die Metalcore-Band aus Castrop-Rauxel überzeugten den Großteil der Zuschauer, anders als der zweite Überraschungs-Act, Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys. Die Italo-Schlagerbarden polarisierten die Ringrocker, viele verließen den Platz vor der Hauptbühne und ärgerten sich über die Band: „Das hat doch nichts mehr mit Rock am Ring zu tun“, war zu hören.Lesen Sie auchDas Line-up steht fast jedes Jahr in der Kritik. Die Veranstalter legen zwar den Schwerpunkt auf Rock und Hardrock, lockern das Starterfeld aber auch mit Genre-untypischen Künstlern auf – in diesem Jahr etwa mit der Berliner Hip-Hop-Formation KIZ, der englischen Punk-Elektro-Band The Prodigy oder Rapper Kontra K. Rock gab es für die 90.000 Festivalbesucher unter anderem von Slipknot, Bullet für My Valentine, Rise Against, Bring Me The Horizon und Weezer.Lesen Sie auchMusik ist bei Rock am Ring aber nicht alles. Viel spielt sich auf den Campingplätzen ab. Denn fast alle Festivalbesucher zelten auf den Hügeln der Eifel. Bei regnerischem Wetter weichte der Boden auf den Wiesen schnell auf und verwandelte große Teile bereits am Samstag zu Schlammwüsten. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen ausschließlich Dixie-Klos und große Wassertanks auf den Bedarfszeltplätzen vorhanden waren.Heutzutage können die Besucher in Sanitärinseln duschen und vernünftige Toiletten benutzen. Für die Dauer des Festivals entsteht rund um den Nürburgring eine kleine Stadt mit einer Infrastruktur, die zeitweise 90.000 Menschen versorgen kann – inklusive Polizei- und Rettungswache sowie einem Pop-up-Discounter, der Bier, Backwaren, Grillfleisch, Obst und Kondome verkauft.Während auf den Zeltplätzen der Alltag einer improvisierten Festivalstadt pulsiert, sorgte der Veranstalter auch musikalisch für einen Paukenschlag: DreamHaus bestätigte bereits am Freitag mit einem Feuerwerk und einem emotionalen Trailer auf den Videoleinwänden Linkin Park als Headliner für 2026: „Wir verbinden mit der Band außergewöhnliche Festivalmomente, die unter die Haut gehen. Dass Linkin Park 2026 bei uns spielt, bedeutet uns sehr viel – und wir sind glücklich, unseren Fans für das kommende Jahr einen so herausragenden Headliner präsentieren zu können“, erklärte DreamHaus-Chef Matt Schwarz.In einer Mitteilung ließ der Rock-am-Ring-Veranstalter Linkin-Park-Sänger Mike Shinoda zu Wort kommen: „Rock am Ring und Linkin Park verbindet über die Jahre eine ganz besondere Geschichte. Es ist verrückt, dass wir 2026 bereits zum sechsten Mal bei diesem Festival auftreten! Wir fühlen uns geehrt und freuen uns sehr, das Vermächtnis in unserer neuen Ära fortzuschreiben.“ Zuletzt war die Band 2014 bei Rock am Ring aufgetreten, damals noch mit Sänger Chester Bennington, der 2017 starb. Seit einiger Zeit steht Sängerin Emily Armstrong als Nachfolgerin am Mikrofon.Auf dem Zeltplatz B5 spielen Feine Sahne Fischfilet ihr Geheimkonzert mit mindestens genauso großem Einsatz wie ihren Auftritt am Abend zuvor auf einer der beiden Hauptbühnen. Mit ihrem Album „Wir kommen in Frieden“ haben die Punkrocker am Freitag den Gipfel der deutschen Charts erklommen. „Das müssen wir feiern“, war das Motto – Sänger Monchi springt in den Matsch, singt inmitten des immer noch verblüfften Publikums Lieder wie „Alles auf Rausch“ und „Komplett im Arsch“.Ein wenig abseits stehen Isabell und Jonas. Ihre Freudentränen sind noch nicht ganz getrocknet, viele Besucher des Geheimkonzerts gratulieren den beiden. „Ich kann es noch gar nicht richtig fassen“, sagt die Düsseldorferin. Vor sechs Jahren standen sie zufällig gemeinsam in der Schlange, um ihr Ticket gegen das Festivalbändchen einzutauschen, berichtet sie. Sie kamen ins Gespräch – und verliebten sich.„Ich habe vor zwei Monaten bei Rock am Ring angefragt, ob ich ihr einen Antrag machen kann. Die Hauptbühne kam nicht infrage, aber das Geheimkonzert“, sagt Jonas. Er zittert noch leicht. „Jetzt feiern wir und trinken erst mal ein Bier – eins von den guten“, sagt Isabell und lacht. Nächstes Jahr wollen sie wieder zu „ihrem“ Rock am Ring kommen, auf „ihren“ Zeltplatz B5. Vielleicht ist das dann schon ihre Hochzeitsreise.