Die junge Frau streift unterm Regenschirm, den eine Freundin schützend über sie hält, ihre Outdoorjacke ab und zupft das schwarze, mit luftigen Maschen gehäkelte Bustier, das sie darunter über nackter Haut trägt, zurecht. Aus dem Rucksack, der zwischen ihren Knien klemmt, kramt sie ein selbst gebasteltes Schild heraus. „Mein Körper geht dich einen Scheißdreck an, einen Scheißdreck geht der dich an!“ steht da mit schwarzem Edding geschrieben. Die junge Frau reckt die Pappe mitten auf dem Marienplatz in die Höhe.

Klare Ansage einer jungen Frau beim Spaziergang der Schlampen am Samstag in der Münchner Innenstadt.

(Foto: Johannes Simon)

Um sie herum ist es bunt. Es sind viele junge Menschen, die sich am Samstag gegen 14 Uhr im Herzen Münchens bei Nieselregen in frühlingsgrün gefärbter Stoppelfrisur, pinken Netzstrümpfen oder mit Brustwarzen, die allein von Aufklebern in Regenbogenfarben bedeckt sind, um einen großen Veranstaltungstruck scharen. Sie demonstrieren für sexuelle Selbstbestimmung, die Anerkennung von sexueller Vielfalt und gegen sexualisierte Gewalt. So umschreiben das die Verantwortlichen des Münchner „Slutwalk“, der auch in diesem Jahr nach einer Kundgebung am Marienplatz zum Gärtnerplatz und wieder zurückführt. Mehrere Hundert Menschen schließen sich an.