Lateinamerika und seine Gefängnisse, das war immer schon eine besondere Geschichte. Beinahe nirgends sonst auf der Welt ist die soziale Ungleichheit so groß wie in den Ländern zwischen Argentinien und Mexiko, und das gilt nicht bloß für das Leben in Freiheit. In der Region gibt es einerseits berüchtigte Knäste, in denen Gefangene zu Dutzenden in die Zellen gepfercht werden und auf Pritschen aus blankem Stahl schlafen müssen; Donald Trumps Abschiebungen und die Bilder aus El Salvador haben das gerade aller Welt vor Augen geführt. Seit jeher aber gibt es in Lateinamerika auch Haftanstalten, in denen man sich ungleich weicher bettet.

Unvergessen ist etwa „La Catedral“, das Gefängnis, das sich der Drogenboss Pablo Escobar einst in den Hügeln über seiner Heimatstadt Medellín selbst baute; es gab dort unter anderem eine Bar, ein Wasserbett, ein Jacuzzi und reichlich Damenbesuch. Vergleichsweise gut ausgestattet ist auch der „Penal de Barbadillo“ in Lima, Peru, in dem ausschließlich peruanische Ex-Präsidenten einsitzen. Aktuelle Zahl der Insassen: drei. Ihre Zellen verfügen über eigene Küchen und Badezimmer, einen Garten gibt es auch.

Perus Nachbarland Chile wiederum hat seine eigene Tradition mit Sondergefängnissen; der linken Regierung unter dem 39 Jahre jungen Präsidenten Gabriel Boric ist das jedoch sichtlich unangenehm. In seiner letzten großen Regierungserklärung – im Winter wählt Chile ein neues Staatsoberhaupt – kündigte Boric an, dass ein ganz bestimmtes „Privileg“ bald der Vergangenheit angehören werde. Es geht um das Gefängnis „Punta Peuco“ nahe der Hauptstadt Santiago, das manche in Chile nur abschätzig „Hotel Punta Peuco“ nennen.